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Aktuelles

Pfingsten 2021

Pfingsten feiern wir Gottesdienste vielfältig: in Präsenz, über Zoom und als Videobotschaft — evangelisch und ökumenisch. Wir freuen uns darauf!

Am Pfingstsonntag feiern wir um 10 Uhr einen evangelischen Gottesdienst draußen, hinter der Kirche am Markt. Außerdem feiern wir diesen Gottesdienst noch einmal und natürlich doch ein bisschen anders um 11.15 Uhr über Zoom. Hier der Link..

Am Pfingstmontag feiern wir um 11 Uhr einen evangelischen Gottesdienst in der Verheißungskirche.

Bei beiden Präsenzgottesdiensten können jeweils 60 Menschen teilnehmen, es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln inkl. der Pflicht eine medizinische Maske zu tragen — auch draußen.

Pfingsten ökumenisch: Wir feiern mit einer Videobotschaft, mit Stationen vor allen Gemeindehäusern — einen Überblick über alle beteiligten Gemeinden findet ihr auf dem Plakat und mit einem ökumenischen Gottesdienst über Zoom am Pfingstmontag um 11 Uhr, zu dem es hier geht. Dort findet auch ein Kindergottesdienst statt. Wir wünschen Ihnen und Euch frohe und gesegnete Pfingsten!
 

Ökumenische Videobotschaft zu Pfingsten von den Gemeinden aus Niendorf und Schnelsen


Schenk uns deine Stimme!

So klingt der digitale Chor Niendorf — Hört gerne rein!

Schon seit November letzten Jahres können sich die Chöre unserer Gemeinde nicht mehr zum gemeinsamen Singen in Präsenzform treffen. Wir proben deswegen via Zoom. Für die Passions- und Osterzeit haben wir sechs Stücke eingeübt, die die Sängerinnen und Sänger alleine zu Hause aufgenommen haben. Dass das trotzdem nach Chor klingen kann, davon könnt ihr euch hier überzeugen!
 

Halleluja - W.A. Mozart

Christ Lag In Todesbanden - Johann Sebastian Bach

Osterlied - Ria Vanwing

Das Grab Ist Leer - Michael Haydn

O Bone Jesu - Antonio Igegneri

Korn Das In Die Erde, In Den Tod Versinkt (EG 98)


HomeChurch - die wöchentliche Andacht

Wir laden Sie herzlich ein in unsere wöchentliche "HomeChurch" oder besser "Kirche für Zuhause", die Sie hier mit einer Andacht unseres Pastor*innen-Teams jede Woche neu auf unserer Webseite finden oder jeden Sonnabend per E-Mail erhalten können.

Gebete, ein Lied, die Lesung des Sonntags und eine kleine Ansprache erhalten Sie mit unserem wöchentlichen Newsletter "Kirche für Zuhause" frei Haus. Zünden Sie sich für Ihre HomeChurch gerne eine Kerze an und stimmen Sie in Gedanken verbunden mit uns ins Gebet ein. Auf Wunsch erhalten Sie unser Angebot auch per Post. Unser Kirchenmusiker*innen begleiten die Lieder der Andachten an der Orgel oder dem Klavier.

Sie möchten eine Andacht lieber hören? Unsere Telefonandachten erreichen Sie unter 040 52105784 oder direkt hier anhören:

Telefonandacht zu 2. Sonntag nach Trinitatis vom 13.06.21

 

Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 13.06.2021

Hier können Sie die Andacht zum zweiten Sonntag nach Trinitatis von Pastor Dr. Hendrik Höver auch als PDF herunterladen.

Der Friede Gottes sei mit dir! Herzlich willkommen zur Andacht für zu Hause. Schön, dass Sie sich die Zeit dafür nehmen. Im Vertrauen auf Gottes Gegenwart sind wir miteinander verbunden, wo und wann immer wir feiern. Es ist zwar nicht mehr Mai, aber trotzdem lässt sich dieser wunderbare Sommeranfang kaum schöner besingen:

Wir hören/singen das Lied „Wie lieblich ist der Maien“ (EG 501):
1. Wie lieblich ist der Maien
aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen,
weil alles grünt und blüht!
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen,
die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre
für solche Gaben Dein.
Die Blüt zur Frucht vermehre,
lass sie ersprießlich sein.
Es steht in Deinen Händen,
Dein Macht und Güt ist groß,
drum wollst Du von uns wenden
Mehltau, Frost, Reif und Schloss.

3. Herr, lass die Sonne blicken
ins finstre Herze mein,
damit sich's möge schicken,
fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben
allein an Deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben
und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen
zu Lob dem Namen Dein,
und lass mir wohl gelingen,
im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein lass aufgehen
von Tugend mancherlei,
damit ich mög bestehen
und nicht verwerflich sei.
Wir beten mit Worten aus Psalm 36,6-10
Herr, deine Güte reicht bis an den Himmel
und deine Wahrheit bis zu den Wolken.
Deine Gerechtigkeit steht fest wie die Berge Gottes,
dein Recht ist so grenzenlos wie die große Flut.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie kostbar ist doch deine Güte.
Zu dir kommen die Menschenkinder,
im Schatten deiner Flügel finden sie Schutz.
Von den Gaben deines Hauses essen sie sich satt.
Von dem Bach, der zu deiner Freude strömt,
gibst du ihnen reichlich zu trinken.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens.
In deinem Licht sehen wir das Licht.
Wir hören/singen das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ (EG 503):
1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier,
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.
Bibellesung: Jesus erzählt das Gleichnis vom großen Abendmahl (Lukas 14,16-24):
16Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! 18Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen.

21Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. 22Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.


Predigtimpuls
Wann bin ich dran mit dem Impfen? Wann bekomme ich einen Impftermin? Werde ich auch berücksichtigt oder werde ich vergessen?

Ein Freund berichtet mir neulich von seiner verzweifelten Suche nach einem Impftermin, nachdem alle seine Freunde schon einen hatten — inklusive mir. Anfang 40 und zu keiner Priorisierungsgruppe gehörig, sagte er mir: „Ich habe Angst, dass es so ist, wie so häufig bei mir im Leben. Alle anderen sind schneller und ich bin der Letzte.“ — Zum Glück hat er inzwischen einen Termin ergattern können. Aber diese Angst kann ich gut nachvollziehen. Es ist die Angst, nichts mehr abzubekommen, vergessen und übersehen, zurückgelassen und übergangen zu werden.

Und da ist ja was dran: In unserer Gesellschaft geht es ja oft nach dem Omnibusprinzip: „Ich bin drin, jetzt ist voll.“ Dieses Prinzip kann man nicht nur im Berufsverkehr auf dem Busbahnhof am Tibarg beobachten. „Ich bin drin, jetzt ist voll.“ — So funktioniert unsere Gesellschaft in vielen Bereichen. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Und die Letzten beißen die Hunde. Es ist die unsolidarische Seite unserer Gesellschaft, in der sich jeder selbst am nächsten ist. „Ich bin drin, jetzt ist voll.“

Wenn man nichts mehr abbekommt, keinen Platz mehr findet und vor verschlossener Tür steht. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Nicht nur im Bus. Diese Erfahrung kennen wir alle.

Wir kennen aber auch die andere Seite. Und wir haben auch alle schon einmal mitgemacht dabei. Waren froh, den letzten Platz noch zu ergattern, noch etwas abzubekommen vom Kuchen und Glück gehabt zu haben. Und dieses gute Gefühl: auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen! — Wir kennen beide Seiten der Medaille.

Heute hören wir im Gleichnis Jesus, dass das Reich Gottes anders tickt. Hier läuft es nicht nach dem Omnibusprinzip: „Ich bin drin, jetzt ist voll!“, sondern hier bekommt jeder eine Chance, jeder ist eingeladen, jeder ist willkommen, für jeden ist ein Platz da. Jesus malt uns ein Bild vor Augen, von einer inklusiven und solidarischen Gesellschaft. Aber der Reihe nach...

Bei dem großen Fest lädt der Gastgeber seine Freude ein. Soweit so gut. Zunächst läuft alles so wie, wir es auch kennen. Es ist immer gut, wenn man Freude hat oder zumindest gute Beziehungen. Mit Vitamin B geht doch alles viel leichter. Manche sind privilegiert und haben Netzwerke und Seilschaften in der Schule, im Beruf, in der Firma, in der Politik, in der Kirche, die sie tragen und ihnen Chancen und Möglichkeiten eröffnen. Ohne diese Beziehungen steht man schnell alleine da.

In unserer Geschichte läuft es aber anders: Die Freude sagen dem Gastgeber alle ab, obwohl alles schon vorbereitet ist. Alle scheinen nachvollziehbare Gründe zu haben. Alle haben etwas, was wichtiger ist. Und was macht der Gastgeber? Er wird zornig und pfeift auf seine sogenannten Freunde und lädt andere ein. Bei Gott, so die Botschaft, gibt es keine privilegierten Plätze, keine Seilschaften, kein Vitamin B. Vor Gott sind wir Menschen alle gleich. Und solche von uns, die sich jetzt schon als Heilige sehen und sich Gott an nächsten wähnen, enttäuschen ihn doch am stärksten. Das ist die Warnung, auch an uns. Uns nicht für etwas Besseres und moralisch Überlegendes zu halten!

So lädt der Gastgeber all jene ein, die damit am wenigsten gerechnet hätten. Er lädt die die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen ein. Er holt sie von den Straßen und Gassen der Stadt. Und als noch Platz ist, schickt er seinen Knecht nochmals los: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.“ — So kommen zum großen Fest also die Ausgestoßenen, Marginalisierten und Ignorierten der Gesellschaft. Diejenigen die am Rande stehen, sind nun im Mittelpunkt.

Der Evangelist Lukas spricht hier eine soziale Seite an, die ihm immer ganz wichtig ist. Vergesst die Armen nicht! Aber er spricht eben auch eine geistliche Seite in diesem Gleichnis an. Auch wir alle, die wir geistlich arm sind, sind eingeladen! Die Einladung des Gastgebers gilt auch uns! Gerade wenn wir uns Gott nicht immer so nahe fühlen, sieht er uns, schickt seine Boten zu uns und lädt uns ein zu einem großen Fest! In Gottes Reich, so die Botschaft, gehst Du und gehe ich nicht verloren. Auch wenn wir uns draus herumtreiben, auf den Straßen und Gassen, an den Zäunen und Wegen, seines Reiches. Er nötigt uns, hereinzukommen, dass sein Haus voll werde. Gottes Reich funktioniert nicht nach dem Omnibusprinzip: „Ich bin drin, jetzt ist voll!“ Vielmehr werden die Letzten, die Ersten sein! Umso weiter Du Dich von Gott entfernt fühlst, umso mehr setzt er sich dafür ein, Dich ganz nahe an sein Herz zu holen. Er sieht Dich, holt Dich zu sich und feiert mit Dir das Fest des Lebens!
Amen


Wir hören/singen das Lied „Kommt sagt es allen weiter“ (EG 225):
Refrain: Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein! Komm, sag es allen weiter: Gott selber lädt uns ein.

1. Sein Haus hat offne Türen, er ruft uns in Geduld, will alle zu sich führen, auch die mit Not und Schuld.
2. Wir haben sein Versprechen: Er nimmt sich für uns Zeit, wird selbst das Brot uns brechen, kommt, alles ist bereit.
3. Zu jedem will er kommen, der Herr in Brot und Wein. Und wer ihn aufgenommen, wird selber Bote sein.
Fürbittengebet
Du einladender und großherziger Gott,
wir kommen zu Dir und beten für alle die Angst haben übersehen, übergangen und vergessen zu werden.
Lass uns Deine Boten sein und von Deiner Liebe weitersagen.

Wir bitten Dich für alle,
die die ausgeschlossen, abgehängt und marginalisiert sind.
Zeig uns Wege, wie wir sie wieder einbinden und integrieren können.
Hilf uns eine inklusive und solidarische Gemeinschaft zu werden.

Wir bitten dich für uns selbst und was uns auf dem Herzen liegt.
Wir kommen zur Dir mit allem was uns bewegt in der Stille...

Du lädst uns ein. Ziehst uns zu Dir hin. Ja, nötigst uns.
So vertrauen wir Dir, dass wir nicht verloren gehen können.
Dass, das was wir auf dem Herzen haben, bei Dir Gehör findet.
Und dass, wir mitten drin sind, beim Fest des Lebens.
In Deinem Reich.
Heute und alle Tage!
AMEN
Wir beten das Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen
Segen
Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig!
Er erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden!
AMEN

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 06.06.2021

Hier können Sie die Andacht zum ersten Sonntag nach Trinitatis von Pastorin Anke Zorn auch als PDF herunterladen.

Im Namen Gottes beginnen wir - im Namen des Gottes, der Mensch geworden ist, der uns zeigte menschlich zu leben, der uns nahe sein will.
Willkommen zum Gottesdienst, liebe Gemeinde! Schön, dass Sie sich Zeit nehmen, diese Andacht zu feiern. Andere feiern mit - räumlich sind wir getrennt und doch miteinander verbunden!
Eine Geschichte, die in Kindergottesdiensten gern erzählt und gespielt wird, die aber erst vor einiger Zeit in die Reihen der Predigttexte aufgenommen wurde, erzählen und bedenken wir heute: Die Geschichte von Jona, der im Bauch eines Fisches landet... Diese Geschichte kann man gut unter der folgenden Überschrift lesen:
"Die Geschichte von dem Menschen, dem Gott immer wieder nachläuft, weil Gott darauf vertraut, dass er den richtigen Weg findet und geht".
Ich wünsche uns viel Freude auf dem Weg mit Jona - und vielleicht entdecken wir hier und da sogar Berührungspunkt mit unserer eigenen Geschichte.
Als der Prophet Jona vor dem Ertrinken gerettet ist und geborgen wie im Mutterleib in dem Bauch eines Fisches sitzt, wendet er sich voller Dankbarkeit an Gott. Sein Gebet lassen Sie uns nachsprechen — es ist aufgeschrieben im Buch Jona 2, 3-10:

Psalm aus dem Buch Jona 2,3-10:
Ich schrie aus dem Rachen des Todes und du hörtest meine Stimme.
Du warfst mich in die Tiefe, mitten ins Meer, dass die Fluten mich umgaben.
Alle deine Wogen und Wellen gingen über mich,
dass ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen,
ich würde deinen heiligen Tempel nicht mehr sehen.
Wasser umgaben mich und gingen mir ans Leben,
die Tiefe umringte mich, Schilf bedeckte mein Haupt.
Ich sank hinunter zu der Berge Gründen,
der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.
Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt,
Ewiger, mein Gott!
Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Heiligen,
und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.
Die sich halten an das Nichtige, verlassen ihre Gnade.
Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen.
Meine Gelübde will ich erfüllen dem Gott, der mir geholfen hat.
Lesung aus dem Buch Jona 1,1-2,2(3-10)11
1 Es erging das Wort Gottes an Jona, Sohn Amittais: 2 „Steh auf! Geh nach Ninive, in die riesige Stadt! Rufe gegen sie aus, denn ihre Bosheit ist bis vor mein Angesicht hinaufgedrungen.“ 3 Da stand Jona auf, jedoch um vor Gottes Angesicht nach Tarschisch zu fliehen. Er stieg nach Jafo hinab, fand ein Schiff, das im Begriff war nach Tarschisch zu fahren, bezahlte Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarschisch zu fahren — nur weg von Gottes Angesicht.
4 Der Ewige aber schleuderte einen gewaltigen Sturm übers Meer. Ein großes Unwetter entstand im Meer, so dass das Schiff drauf und dran war auseinander zu brechen. 5 Da fürchteten sich die Seeleute. Sie schrien, ein jeder zu seiner Gottheit und warfen die Gegenstände, die im Schiff waren, ins Meer, um es leichter zu machen. Doch Jona war in das Innere des Schiffes hinabgestiegen. Er hatte sich hingelegt und schlief tief.
6 Der Kapitän näherte sich ihm und sagte zu ihm: „Wie? Du schläfst? Steh auf! Rufe zu deiner Gottheit! Vielleicht errettet diese Gottheit uns ja, so dass wir nicht untergehen.“ 7 Einer sprach zum andern: „Lasst uns Lose werfen, damit wir erkennen, wer die Ursache unseres Unheils ist!“ Sie warfen die Lose und das Los fiel auf Jona. 8 Da fragten sie ihn: „Klär uns doch auf, weshalb uns dieses Unheil trifft. Was ist deine Arbeit? Woher kommst du? Aus welchem Land und von welchem Volk stammst du?“ 9 Er sagte ihnen: „Ein Hebräer bin ich und den Ewigen, die Gottheit des Himmels, die das Meer und das Trockene gemacht hat, fürchte ich.“ 10 Da erfasste die Männer eine tiefe Furcht und sie sagten zu ihm: „Was hast du bloß getan?!“ Die Männer erkannten nämlich, dass er vor Gottes Angesicht auf der Flucht war — er hatte es ihnen ja deutlich gemacht.
11 Sie sagten zu ihm: „Was sollen wir mit dir nur machen, damit das Meer uns in Ruhe lässt? Denn das Meer wird immer stürmischer.“ 12 Er entgegnete ihnen: „Nehmt mich und werft mich ins Meer, dann wird euch das Meer in Ruhe lassen, denn ich weiß genau, dass dieses gewaltige Unwetter meinetwegen über euch gekommen ist.“ 13 Aber die Männer legten sich ins Zeug, um ans Festland zurückzukehren. Doch sie vermochten es nicht, denn das Meer gischtete ihnen noch heftiger entgegen. 14 Sie riefen zu Gott und sprachen: „Ach Gott! Lass uns doch nicht untergehen wegen des Lebens von diesem Mann! Bringe nicht unschuldiges Blut über uns, denn du, Ewiger, handelst, wie es dir gefällt.“
15 Sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da verebbte das Wüten des Meeres. 16 Die Männer erfasste eine tiefe Furcht vor Gott. Sie brachten Gott ein Opfer dar und legten Gelübde ab.
2, 1 Gott aber bestimmte einen großen Fisch, Jona zu verschlingen und Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. 2 Da flehte Jona zum Ewigen, seiner Gottheit, aus dem Bauch des Fisches. (3 und sprach: - siehe oben die Worte des Psalms)
11Da sprach Gott zum Fisch und er spie Jona aufs Trockene.


Predigt
Liebe Gemeinde,
„Es erging das Wort Gottes an Jona, dem Sohn Amittais.“ Mit diesen Worten beginnt das JonaBuch. Warum gerade Jona berufen wird, bleibt unklar. Wir hören nichts davon, dass er redegewandt, fromm oder mutig gewesen wäre. Vielmehr erscheint er normal. Nicht anders als ich oder Sie vielleicht. Gott beruft keinen Helden, keine Profis... das Wort Gottes kann auch an mich gerichtet sein — und an Sie!
Gott gibt Jona den Auftrag, nach Ninive zu gehen und dort eine aufrüttelnde Predigt zu halten. Das Böse, die Bosheit der Menschen in Ninive wird nicht ausgemalt. In wenigen Worten wird klar, dass eine grundsätzliche Korrektur ansteht. Was dabei auffällt: Nicht einzelne Dinge werden angeprangert und ins Visier genommen. Was verkehrt ist und nicht geht, scheint mehr zu sein als die Verfehlungen Einzelner. Die Kritik scheint einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu gelten. Vielleicht kann ich es mir so vorstellen: Ninive, die Großstadt, steht für das Kollektiv von menschlicher Schuld, steht für das Verkehrte, das nicht mehr als solches erkannt wird. Es entwickelt eine solche Eigendynamik, dass es nicht nur gleichgültig hingenommen, sondern sogar gutgeheißen wird.
Könnte es sein, dass die dringend angesagte Korrektur auch uns meint...? Ich denke an unsere Waffenexporte, die den Staatskassen viel Geld einbringen, an unser zögerliches Eintreten für die Schöpfung, unseren Konsum von Produkten aus Fabriken, in denen Kinder oder Frauen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, ... und ich denke daran, wie weit wir davon entfernt sind, den Impfstoff gegen Covid 19 gerecht über die Welt zu verteilen... Jona braucht keine Bedenkzeit, er weiß sofort, dass er sich diesem Auftrag Gottes verweigern will: Schnurstracks tritt er die Flucht an - in die entgegengesetzte Richtung: In Jaffa besteigt er ein Frachtschiff nach Tarsis, das damals als Ende der Welt galt. Westlicher als bis da war noch nie ein Hebräer gereist.
Mir kommt es so vor als verhalte Jona sich eigenartig irrational. Es gibt doch eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich glaube an Gott, dann befolge ich seinen Auftrag und gehe nach Ninive. Oder aber ich glaube nicht an Gott, dann kann mir sein Auftrag egal sein und ich führe mein Leben ungestört weiter.
Jona dagegen glaubt an Gott und versucht trotzdem zu fliehen, möglichst weit weg, an die Grenzen der damals bekannten Welt, bis nach Spanien. Diese Irrationalität des Jona kenne ich allerdings von mir selbst: Ich weiß um die Gebote Gottes, ich weiß um die Liebe, zu der ich berufen bin — dennoch fühle ich mich oft zu schwach und entziehe mich. Ist Jona mir vielleicht näher, als es mir recht ist?

Als Jona vor Gott aufs Meer flüchtet, stellt sich Gott ihm — bildlich gesprochen — in den Weg und schickt einen fürchterlichen Sturm. Gott, der Menschen die Freiheit lässt, sich auch gegen ihn zu entscheiden, lässt sie Jona anscheinend nicht. Oder ist es so: Gott wirbt weiter um Jona, „kämpft“ um ihn, gibt ihn nicht auf?
Die Situation auf dem Schiff ist prekär. Da kann man nur noch beten. Aber zum Beten hinzu strengt sich die Mannschaft, an das Mögliche zu tun, professionell zu handeln: Die Ladung wird über Bord geworfen. Beten und Handeln gehen Hand in Hand.
Das physische Lastabwerfen entspricht dem, was auch vom Gebet erwartet wird: Erleichterung. Was belastet, was niederdrückt soll weg. Man muss Dinge loswerden, will man unter schwierigen Bedingungen wieder auf Kurs kommen. Nicht nur Ballast, oder Altlasten, manchmal sind es auch Dinge, die uns lieb und wichtig sind, die wir loslassen, und opfern müssen, so weh es tut. In allem, was die Menschen auf dem Schiff im Sturm tun, schimmert diese psychologische und religiöse Dimension durch.
Nur der Prophet Jona verhält sich auffällig anders. Auffällig und anders. Was ist mit ihm? Wie kann einer mitten im Sturm ruhig schlafen?
"Was ist mit dir? Du schläfst ja." Der Sturm scheint an ihm vorbeizugehen. Der Kapitän weckt Jona und ruft: „Auf, bete ..." - Wie verhalten wir uns, wenn die Wogen hochgehen? Schlafen oder beten wir?
Zwar könnte Jona jetzt ausweichen, fliehen, sich Ausflüchte ausdenken und lügen, seinen Glauben und seinen Auftrag leugnen. Er tut es nicht. Das ist die erste gute Wende in dieser Geschichte. Der Schlaf war heilsam, jetzt ist er erwacht. Jona ist nach seinem Schlaf schon ein anderer geworden. So steht er jetzt auch zu sich, zu dem was er getan hat. So steht er wieder zu Gott. Jona wird glaubwürdig. Werden Menschen nicht gerade dann glaubwürdig, wenn sie eingestehen, Fehler begangen zu haben?
Jona bietet sich selber an: „Werft mich über Bord!“ Er sagt das im Bewusstsein, dass das den sicheren Tod bedeutet.
Selbst jetzt, als Jona sich selbst aufgibt und sich ins Meer und damit in den scheinbar sicheren Tod werfen lässt, gibt Gott ihn nicht auf. Gott kennt selbst jetzt noch einen Ausweg, schickt einen großen Fisch und rettet Jona.
Gott läuft hinterher und stellt sich in den Weg, denn er ist barmherzig, Gott straft nicht. Gott vertraut. Gott steht auch zu denen, die sich von ihm abgewendet haben. Gott vertraut auch denen, die sich selbst nichts zutrauen. Gott hält die gute Hand über ihnen und umgibt sie mit Segen. Das ist eines der zentralen Motive des Jona-Buches — ein Wesenszug Gottes nicht nur vor etwa 2.800 Jahren, sondern bis heute.
Geborgen wie im Bauch seiner Mutter erfährt Jona Bewahrung. Drei Tage und drei Nächte verbringt er dort: Er entdeckt von innen das Leben neu. Und gleichzeitig beginnt er sich neu auf seinen Auftrag zu besinnen. Jona denkt nach, reflektiert und betet: zeitlose Worte für alle Menschen, die in Angst und Not gefangen sind und ihre Hoffnung auf Gott setzen. Worte des Vertrauens, die wir vorhin gemeinsam gesprochen haben.

Das 2.Kapitel des Jona-Buches endet damit, dass Gott dem Fisch den Auftrag gibt, Jona an Land zu spucken: Jetzt bekommt Jona Boden unter die Füße, er kommt aus dem Fischbauch ans Licht, aus dem Meer ans Land. Er ist zurück in der Realität seines nicht einfachen prophetischen Auftrags. Jetzt kann die Geschichte erst eigentlich beginnen.
Amen


Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (EG 382)
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr,
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott.
Mein Los ist Tod, hast du nicht anderen Segen?
Bist Du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
Und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Fürbitte
Gott, Vater und Mutter für uns,
Höre bitte nicht auf, uns hinterher zu laufen,
wenn wir es immer noch nicht verstanden haben,
dass du ein Gott der Gerechtigkeit bist und des Vertrauens,
dass du uns brauchst, uns alle, deine Menschentöchter und Söhne.

Gott, Quelle des Lebens und Licht der Welt,
schenke uns Erfahrungen, die uns bereit machen
für die Armen bei uns und in der Welt
für die Leidtragenden hier und in der Ferne

Gib uns die Kräfte,
vor den Aufgaben, die du uns stellst, nicht wegzulaufen,
ehrlich mit uns selbst zu sein und Fehler zu zugeben.

Sei mit denen, die es wagen, aufzustehen und loszugehen
in einen neuen Lebensabschnitt; heraus aus altem Trott;
zu Menschen, denen sie vertrauen wollen.

Voll Vertrauen nennen wir dir die Namen derer,
die uns jetzt besonders am Herzen liegen. Stilles Gebet
Wir beten gemeinsam mit den Worten Jesu: Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen
Segen
Gott segne Dich und Gott behüte Dich
Gottes Angesicht leuchte über Dir und sei Dir gnädig.
Gott schaue Dich freundlich an und schenke Dir Frieden.
Amen

Andacht zum Sonntag Trinitatis, 30.05.2021

Hier können Sie die Andacht zum Sonntag Trinitatis von Pastorin Maren Gottsmann auch als PDF herunterladen.

Im Vertrauen auf Gottes Gegenwart feiern wir diesen Gottesdienst.
Im Vertrauen auf Gottes Liebe, die uns begleitet.
Und die uns Mut macht, einander zu begleiten.

Trinitatis begehen wir heute — das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Die Kirche hat damit in ihren Anfängen das in eine Lehre gefasste, was doch vor allem eine Erfahrung sein will. Etwas versteckt ist dieser Sonntag hinter dem Pfingstfest mit Wind und Feuerflammen und normalerweise unseren OpenAirGottesdiensten. Heute ist nichts davon zu erwarten. Trinitatis. Schwer zu erklären. Was würde fehlen ohne eine der drei Personen? Die unfassbare Größe des Schöpfers? Die Menschlichkeit Jesu — auch im Leiden? Das Atmen von Gottes Geist in meinem Atem? Dreieinigkeit Gottes, das meint - Gott ist in sich Gemeinschaft. Ich versuche, mir das vorzustellen: Eine Gottheit, die durch und durch Liebe ist, die nicht für sich bleiben kann. Und die meine Gesellschaft sucht. Die Feste liebt und mich neben sich auf die Bank zieht und sagt: Komm, sag ehrlich, wie geht es Dir. Die gesellige Gottheit. So hat der Theologe Kurt Marti einmal Worte für Gott gefunden. Ich bin im Studium das erste Mal darauf gestoßen und dieses Bild mich gepackt und geprägt. Diese Gesellige Gottheit, der habe ich mich anvertraut und habe mich von ihr auf Stühle und Bänke, in Orte und Situationen ziehen lassen, manchmal schubsen. Und sie hat mir Menschen auf den Weg gesandt, an die Seite gestellt und in die Arme gelegt. Sie hat mir Sonnenaufgänge, Berge oder tobende Nordseewellen geschenkt und die Freude, mich bewegen zu können zu Fuß, mit dem Rad.
Diese gesellige Gottheit — die will was von uns. Die will was mit uns.
Was? Das wird sicher immer wieder neu konkret werden.
Jetzt ist Raum, dem wieder etwas mehr auf die Spur zu kommen.

Und so feiern wir diesen Gottesdienst. Mit Abstand — und doch verbunden.

Wir beten gemeinsam nach Worten des Psalm 113 und mit Auszügen aus dem Psalm „Die gesellige Gottheit“, Kurt Marti
Am Anfang Beziehung.
Am Anfang Rhythmus.
Am Anfang Geselligkeit.
Halleluja! Lobet den Namen des Herrn!
Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit!
Gott vibriert vor Freude, vor Leben.
Will überspringen auf alles, auf alle. Auf uns.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des Herrn!
So sei es, denn bei Gott ist alles möglich.
Wer ist wie der Herr, unser Gott,
der oben thront in der Höhe,
der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz.
Am Anfang Beziehung.
Am Anfang Rhythmus.
Am Anfang Geselligkeit.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des Herrn!
Wissen, wie Gott ist — damit hat sich der gelehrte Nikodemus sein ganzes Leben befasst. Nichts, was er über Gott nicht gelesen und nichts, was er nicht durchdacht hat. Und dennoch ist da etwas, was er selber gar nicht in Worte fassen kann. Etwas, was ihn nachts in ein Gespräch zieht, das eigentlich kein Gespräch ist, denn am Anfang, da steht keine wirkliche Frage. Aber doch etwas, aus dem dann etwas werden kann. Von diesem Anfang steht Folgendes im Evangelium nach Johannes, 3, 1 — 8.
Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden.
Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.


Predigt
Wissen was zu tun ist, und wissen was zu lassen ist. Vielleicht auch nur das alles zu ahnen — vielleicht auch nur: Sich zu sehnen danach. Darum geht es heute. Denn, alles beginnt mit der Sehnsucht, so formulierte es die jüdische Dichterin Nelly Sachs.

Denn dass Sabrin Christin wurde, hängt mit Sehnsucht zusammen und dann auch mit dem Plakat in der Ausländerbehörde. Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer. Stand dort. Sie haben das Recht auf Schul- und Ausbildung. Das recht, über ihr Leben und ihre Liebe zu bestimmen. Das Recht, sich für eine Religion zu entscheiden.

Niemand hatte mir so etwas zuvor gesagt, erzählte die junge Afghanin, die in ihrer Heimat bereits den Mut hatte, ihre Liebe zu wählen und deswegen vor ihrer Familie fliehen musste. Bei einem späteren Versöhnungsversuch wurde sie durch ihre Familie gefangengenommen. Sie entkam schwer verletzt nur durch die überraschende Hilfe ihrer Schwester. Mit ihrem Mann und den drei Kindern floh Sabrin nach Deutschland. Im Kirchenasyl einer Lübecker Gemeinde lernte sie den christlichen Glauben kennen. Zur Freiheit hat euch Christus befreit, hörte sie dort. Sie entdeckte Gott, der befreit, der heilt und tröstet. Der sich unter die Menschen mischt und auch ihr ganz nahekommen konnte. Grenzen und bisherige Normen, die ihr Leben geprägt hatten spielten vor Gott keine Rolle mehr. Ihr Glaube schenkt Sabrin seitdem immer wieder Hoffnung und Kraft. Von Gott zur Freiheit befreit, was für eine großartige Erfahrung. Alles durfte anders werden und gut!

Wenn wir heute das Fest der Trinität begehen — den Tag der Dreieinigkeit Gottes, dann hat das für mich vor allem mit solchen Lebensgeschichten zu tun wie die von Sabrin. Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes entstand im 4. Jahrhundert, als die Kirche in Auseinandersetzung mit der Philosophie im Zugzwang war, erklären, verteidigen und festschreiben zu müssen, dass trotz der vielfältigen Rede von Gott von Vielgötterei in Bibel und Kirche keine Rede sein könne. Gott als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist sei immer der eine und einzige. Ein göttliches Wesen in drei Hypostasen, in drei erscheinungsweisen — so lautete die 381 auf dem Konzil von Konstantinopel beschlossene Formulierung. Auch das Gottsein Jesu konnte so logisch nachvollziehbar definiert werden. Obwohl die Lehre der Trinität biblisch nicht entwickelt worden war, wurde sie grundlegend für unseren Glauben. Fast alle Gottesdienste beginnen mit einer trinitarischen Grußformel und ebenso Predigten mit einer der wenigen entsprechenden Formulierung aus den Paulusbriefen. Dennoch sind mit ihr keine besonderen Traditionen verbunden, weder Feiern noch eine prägnante biblische Erzählung. Das Fest kommt sehr nüchtern daher. Im Evangelischen Kirchenjahr beginnt ab heute die lange Reihe der mehr als 20 Sonntage nach Trinitatis. Immerhin werden sie nach dem heutigen Tag benannt — denn die 6 Monate bis zum Ende des Kirchenjahres bleiben in der katholischen Kirche ganz namenlos.

Früher hat mich diese lange Abzählung der Sonntage sehr befremdet. Was für ein Abfall nach Rogate, Kantate oder Jubilate... Inzwischen verstehe ich die kommende Zeit anders: Als Möglichkeit, das zu entfalten und in den Blick zu nehmen, was Trinität versucht, in Worten und Bildern zu fassen. Denn nachzudenken, wie Gott mit uns und durch uns konkret in unser Leben und unseren Alltag hineinwirkt, also: wissen was zu tun ist, und wissen was zu lassen ist - vielleicht auch nur zu ahnen — vielleicht auch nur: Sich zu sehnen danach — das braucht seine Zeit und dann den Raum für eine angemessene Vielfalt an Antworten.

Das weiß auch der Evangelist Johannes und greift deswegen zu einem literarischen Trick. Das Gespräch zwischen Jesus und dem angesehenen Gelehrten findet bei Nacht statt. Eine in gewisser Weise zeitlose Zeit.

Nikodemus, der Pharisäer — er steht mit seinem ganzen bisherigen Leben und seiner ganzen bisherigen Autorität für den respektierten und geachteten Weg, sich des Glaubens und damit sich Gottes Gegenwart zu vergewissern durch die dafür aufgestellten Regeln für den Alltag, für Gebet und Gottesdienst. So zu glauben, das ist ein Weg. Und Nikodemus hat diesen Weg bisher erfolgreich beschritten.

Doch nun hat ihn eine Sehnsucht gepackt — eine, die er selber noch gar nicht formulieren kann — nur: Dass dieser junge Rabbi möglicherweise damit zusammenhängen könnte. Und dann empfängt er, der der alles von Gott und über Gott erforschte und bedachte, dieses Bild: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wer nicht neugeboren wird, der kann das Reich Gottes nicht erfahren. Der Wind weht wo er will und du hörst sein Sausen wohl aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.

Neugeboren werden. Noch einmal neu werden. Das klingt nach Abenteuer und Aufbruch — aber hat auch etwas Beunruhigendes. Wenn alles so gut eingespielt ist in einem Leben. Wenn alles so gewohnt ist und vertraut. Was für ein Schritt, loszulassen! Aber die letzten Monate haben mir gezeigt, dass das andere und neue uns eben auch viele gute und neue Erfahrungen eröffnen kann.

Für das neue präsent haben wir Menschen aus der Gemeinde gefragt, was sie in den letzten 12 Monaten verloren und was sie gewonnen haben. Niemand schrieb: ich habe nur verloren und nichts gewonnen. Alle hatten auch etwas erfahren, was ihr Leben hat reicher werden lassen: Klarheit in freundhaften und Kontakten, neue Kompetenzen und Interessen, neue Hobbies, die Erfahrung, dass Glaube trägt und nicht alles, was gerade nicht so präsent ist, deswegen auch verloren ist.

Ob Nikodemus nach seiner Nacht Wusste, was zu tun und was zu lassen ist? Vielleicht auch nur erahnte — oder weiterhin sich sehnte nach dem, was für ihn, den Gelehrten, noch nicht fassbarer geworden war?

Und wir?

Alles beginnt mit der Sehnsucht, schreibt Nelly Sachs...

Welcher Sehnsucht folgen wir?
Amen


Wir singen gemeinsam das Lied: „Wir glauben Gott im höchsten Thron...“, Evangelisches Gesangbuch, 184
begleitet von Finnegan Schulz
1.Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn,
aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, all gebenedeit.

2. Wir glauben Gott, den Heilgen Geist, den Tröster, der uns unterweist,
der fährt, wohin er will und mag und stark macht, was daniederlag.

3. Den Vater, dessen Wink und Ruf das Licht aus Finsternissen schuf,
den Sohn der annimmt unsere Not, litt unser Kreuz starb unsern Tod.

4. Der niederfuhr und auferstand erhöht zu Gottes rechter Hand,
und kommt am Tag, vorherbestimmt, da alle Welt ihr Urteil nimmt.

5. Den Geist, der heilig insgemein, lässt Christen Christi Kirche sein,
bis wir, von Sünd und fehlbefreit, in selber schaun in Ewigkeit.

Amen.

Fürbitte
Du Gott, gesellig. Gegenwärtig. Da, wo wir sind.
Wir bitten Dich für alle, die sich sehnen nach dem ersten Wort nach einem Streit, nach Worten der Anerkennung, nach dem Zuspruch, der sie beflügelt, nach Hoffnungsworten, die weitertragen, nach einem Trost, der Halt gibt.
Schenke Worte, die heilen und stärken.
Stille


Wir bitten dich für alle, die sich sehnen nach neuer Kraft. Die leer sind und ausgepowert durch Alltag und Arbeit. Die ihren Lebensmut verloren haben und nicht einmal wissen, warum.
Schenke neuen Atem. Neues Amen, tief in uns hinein
Stille


Wir bitten dich für alle, die sich sehnen nach Frieden und Sicherheit für sich und ihre Familien. Die verzweifelt sind und unendlich verletzt. Die keine Hoffnung mehr haben und oft nur noch Raum für Hass und Zorn.
Wir denken an die Menschen in Israel und Palästina, in Belarus, in Afghanistan, in Kolumbien, in der äthiopischen Provinz Tigray.
Schenke Mut an jedem Tag.
Stille


Du Gott, gesellig. Gegenwärtig. Da, wo wir sind.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns jetzt bewegt.
Unsere Freude und unseren Dank, unsere Ängste und unsere Sehnsucht: In der Stille breiten wir sie vor Dir aus.
Stille


Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:
Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen
Segen
Gott segne Dich und Gott behüte Dich
Gottes Angesicht leuchte über Dir und sei Dir gnädig.
Gott schaue Dich freundlich an und schenke Dir Frieden.
Amen
Wir singen zum Abschluss gemeinsam das Lied: „Ich möchte, dass einer mit mir geht...“ , EG 209
begleitet von Christian Halberstadt
1. Ich möcht', dass einer mit mir geht, der's Leben kennt, der mich versteht,
der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht', dass einer mit mir geht.

2. Ich wart', dass einer mit mir geht, der auch im Schweren zu mir steht,
der in den dunklen Stunden mir verbunden. Ich wart', dass einer mit mir geht.

3. Es heißt, dass einer mit mir geht, der's Leben kennt, der mich versteht,
der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Es heißt, dass einer mit mir geht.

4. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist;
er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht', dass er auch mit mir geht.

Andacht zu Pfingsten, 23.05.2021

Hier können Sie die Andacht zu Pfingsten von Pastorinnen Ute Andresen und Maren Trautmann auch als PDF herunterladen.

Der Friede Gottes sei mit dir!
Herzlich willkommen zur Andacht für zu Hause. Schön, dass Sie sich die Zeit dafür nehmen.
Im Vertrauen auf Gottes Gegenwart sind wir miteinander verbunden, wo und wann immer wir feiern.

Mit dieser Andacht feiern wir Pfingsten. Ein Fest zwischen Mysterium und Aufbruchstimmung, zwischen individueller Ergriffenheit und großem Kirchengeburtstag. Pfingsten ist in seiner Bedeutung vielfältig. Möge Gottes Heilige Geistkraft uns also berühren und erfüllen und uns spüren lassen, dass wir zu Gott gehören und daraus leben können, Kraft und Atem schöpfen können.

Wir beten mit Worten aus Psalm 118:
Ich rufe: Tut mir auf die Tore des Tempels,
dass ich durch sie einziehe, um dem HERRN zu danken.
Das ist das Tor des HERRN;
die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast
und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom HERRN geschehen und
ist ein Wunder vor unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O HERR, hilf!
O HERR, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN.
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maienzweigen am Altar!
Du bist mein Gott, und
ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.
29 Danket dem HERRN;
denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Fünfzig Tage nach Ostern feiern wir Pfingsten. Viele Menschen waren zum ersten Pfingstfest in Jerusalem versammelt um Schawuot, ein Erntedankfest zu feiern. Auch die Anhängerinnen und Anhänger Jesu waren da. An jenem Tag sollte die Gemeinde kräftig wachsen. 3000 Menschen so heißt es, ließen sich an dem Tag taufen. Mit einem Mal wurde die Gemeinschaft viel größer und das lag an der Kraft des Heiligen Geistes.

In der Apostelgeschichte, im 2. Kapitel lesen wir über den Heiligen Geist:
1 Zum Beginn des Pfingstfestes waren alle, die zu Jesus gehörten, wieder beieinander. 2 Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten. 3 Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ. 4 So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, jeder so, wie der Geist es ihm eingab. 5 In Jerusalem hatten sich viele fromme Juden aus aller Welt niedergelassen. 6 Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. 7 »Wie ist das möglich?«, riefen sie außer sich. »Alle diese Leute sind doch aus Galiläa, 8 und nun hören wir sie in unserer Muttersprache reden; 9 ganz gleich ob wir Parther, Meder oder Elamiter sind. Andere von uns kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 aus Phrygien, Pamphylien und aus Ägypten, aus der Gegend von Kyrene in Libyen und selbst aus Rom. 11 Wir sind Juden oder Anhänger des jüdischen Glaubens, Kreter und Araber. Doch jeder von uns hört diese Menschen in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!« 12 Erstaunt und ratlos fragte einer den anderen: »Was soll das bedeuten?« 13 Einige aber spotteten: »Die haben doch nur zu viel getrunken!«
14 Da erhob sich Petrus mit den anderen elf Aposteln und rief der Menge zu: »Hört her, ihr Leute aus Judäa und ihr Einwohner von Jerusalem! Ich will euch erklären, was hier geschieht. 15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie einige von euch meinen. Es ist ja erst neun Uhr morgens. 22 Hört her, ihr Leute von Israel! Wie ihr alle wisst, hat Jesus aus Nazareth in Gottes Auftrag mitten unter euch mächtige Taten, Zeichen und Wunder gewirkt. Ja, Gott selbst hat durch diesen Mann gehandelt und ihn so euch gegenüber als seinen Gesandten bestätigt. 32 Das ist mit Jesus geschehen: Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Wir alle können es bezeugen. 33 Nun hat Gott ihn zum Herrscher eingesetzt und ihm den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gegeben. Jesus empfing vom Vater den Heiligen Geist, wie es vorausgesagt war, und gab ihn uns. Ihr seht und hört jetzt selbst, dass es in Erfüllung gegangen ist.
(Apg. 2,1-15.22.32-33, Übersetzung aus der Bibelausgabe „Hoffnung für alle“)


Lied: Komm, Heilger Geist
Kehrvers: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft,
die uns verbindet und Leben schafft.

1. Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt.
Kehrvers

2. Wie der Sturm so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein. Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein.
Kehrvers

3. Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt.
Kehrvers


Predigt
Pfingsten - die gehörte Apostelgeschichte - eine Sprache finden - sich verstehen - eines Geistes sein - sich Gott anvertrauen - sich taufen lassen. Ein Freudenfest stellen wir uns da in Jerusalem vor, glückliche Gesichter, erfüllte Herzen, eine selige Stimmung, wie sie manchmal auch auf dem Kirchentag zu finden ist.
Der Predigttext stellt diesem Festjubel einen ganz anderen Text gegenüber: Von Sprachverwirrung und Nichtverstehen. Was sich auch in der Apostelgeschichte findet, wenn man genau liest: Sie sind wohl voll süßen Weins! Also betrunken! Am helllichten Vormittag! Tolle Leute! Und was erzählen die denn da... Auch hier Skepsis.
Der Text, der der Pfingsterzählung gegenübersteht, ist die Geschichte vom Turmbau in Babel: Die Menschen wollen einen hohen Turm bauen, der bis an den Himmel reicht. Etwas größenwahnsinnig, aber Menschen haben ja manchmal schräge Idee. Der Turm soll am Himmel kratzen —die Menschen rücken Gott auf den Pelz — zu nah, denkt sich Gott, und verwirrt die Sprache. Sie verstehen sich nicht mehr und können den Turm nicht weiterbauen.
Wir stellen uns ein einträchtiges Nebeneinander-her-bauen vor, das ganz gut von statten geht. Aber da kommt dann Gott ins Spiel und plötzlich ist alles anders: Niemand will sich mehr unterordnen bzw. Ansagen von anderen annehmen. Alle laufen ihren eigenen Ideen hinterher. Streit bricht aus. Sie verfolgen noch immer das gleiche Ziel, aber schaffen es nicht mehr, sich und ihre Ansichten verständlich zu machen, wie der Himmel für alle erreicht werden kann. Gott zerstreut ihre Träume und gleichzeitig die Menschen in viele Länder und viele Sprachen. Ein Bild dafür, dass Verständigung zwischen den Menschen seither erschwert ist.
Wenn wir in unsere Gesellschaft sehen, kommt es uns auch manchmal so vor, als ob sehr viele Menschen nur noch sich und ihre Meinung sehen. Hier ist nicht die Verständigung schwer, sondern vielmehr das Verständnis füreinander ist abhandengekommen. Obwohl wir dieselbe Sprache sprechen, verstehen wir einander nicht. Das Hören auf die Meinung anderer scheint verlernt zu werden/sein. Und gleichzeitig gibt es eine untergründige Strömung, die jeweils mit dem gleichen Satz beginnt: „Man darf ja gar nichts mehr sagen, ...“ Und dann kommt das „aber“ und was alles nicht gesagt werden darf. Es ist richtig, dass Menschen ihre Gedanken äußern — auch wenn sie manchmal in meinen Ohren schräg klingen. Diese Ideen und Einstellungen müssen gesagt werden dürfen, denn nur so kommen sie aus dem Kopf und dem Herzen der Menschen raus und es gibt die Möglichkeit sich damit auseinanderzusetzen. Mehr und mehr Leute checken ihre Freunde ab, ob sie ihre eigenen politische Meinung äußern dürfen oder ob sie damit schnell in einer Schublade gesteckt werden: Schublade auf — einsortiert in die Leugner:innen, die Linken, die Rechten, die Menschen, die quer denken ... — und dann: Schublade zu! Menschen haben scheinbar Angst davor, ihre Meinung offen zu sagen, um nicht abgestempelt oder in eine, vielleicht zähe, Diskussion reingezogen zu werden — und doch leben die Gedanken, Befürchtungen, Ansichten ja in ihnen weiter. Erst recht, wenn sie nicht nach außen dringen dürfen.
Es braucht ein neues Vertrauen, eine größere Achtsamkeit, in der Sprache, die den/die andere:n wieder gelten lässt. Auf der man/frau nicht sofort abgestempelt, einsortiert und abgeschoben wird.
In welchem Klima der Sprache leben wir, wenn sich Menschen im Ton vergreifen? Wenn die simpelsten Spielregeln verbaler und nonverbaler Kommunikation nicht mehr gelten? Wenn meine Freiheit nicht an der Würde des anderen endet; sondern erst, wenn er oder sie zermürbt am Boden liegt? Wenn es nur um Zerstörung der anderen zu gehen scheint, mit immer größeren Tabubrüchen.
Und was hat dieses Fragen mit Pfingsten zu tun?
Pfingsten schenkt uns eine Möglichkeit dem Leben und den Anfeindungen darin, neu zu begegnen. Der Geist so haben wir beiden festgestellt, ist für uns der innere Impuls, der die Schublade im Kopf oder in einem Gespräch aufmacht; eine Kraft, die hilft, gar nicht erst in dieses Schubladendenken zu geraten.
Ein Heiliger Geist, der hilft, allen Mut und Kraft zusammenzunehmen, um über eine Mauer oder über den eigenen Schatten zu springen;
der zwar unverfügbar, aber eben auch der Tröster und der Beistand ist, wie Jesus versprochen hat.
In einem Text über Pfingsten haben wir eine schöne Definition für die Heilige Geistkraft Gottes gefunden. Da heißt es: „Der Heilige Geist ist jener Teil Gottes, der sich im Menschen auswirkt.“ Daran müssen wir uns nur immer wieder erinnern, nicht nur zu Pfingsten, dass wir in einem ganz bestimmten Geist leben, handeln, reden und zuhören.
Wieder ins Gespräch kommen — die Stimmen der anderen wieder hören, die Schubladen offenlassen, um der Verständigung, dem Heiligen Geist eine Chance zu geben.
Pfingsten — Heiliger Geist — Neubeginn — Andere gelten lassen — neugestalten — Geburtstag feiern — Kirche beleben.
Amen


Lied: Gott gab uns Atem
1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Fürbitte
Gott, wir klagen dir die Situation in Israel und Palästina, die Bomben, die Angst, die Toten und Verletzten und auch die Unfähigkeit beider Seiten sich für einen dauerhaften Frieden einzusetzen.
Wir bitten dich, sende deinen Geist und baue Brücken, die zum Frieden führen.
Gott, wir klagen dir die Menschen, die sich in der Gesellschaft abgehängt fühlen, die durch die Pandemie vereinsamt sind, die sich zu alt oder zu jung für den ganzen Stress fühlen und auch diejenigen, deren Geschäfte im Strudel der Pandemie drohen unterzugehen oder schon versunken sind. Wir bitten dich, sende deinen Geist und zeige neue Perspektiven auf.

Gott wir klagen dir, dass sich das Zusammenleben verändert, dass die Schwelle andere runterzuputzen, abzustempeln und zu verletzen rasant sinkt, auch verbale Attacken und Hasskommentare im Netz übersteigen das Maß an Erträglichem. Wir bitten dich, sende deinen Geist und fördere Achtsamkeit im Umgang miteinander.
Gott, wir klagen dir unsere persönliche Lebenssituation und nennen dir in der Stille, was uns auf dem Herzen liegt.
Stille
Vaterunser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld.
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich,
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen
Den Segen erbitten wir heute mit einer Liedstrophe:
Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen, Friede über dich und unser Land.
Amen
Und wer die Möglichkeit hat, das Lied anzuhören, hört noch folgende Verse, gespielt und gesungen von Finnegan Schulz:
2. Führe die Straße, die du gehst immer nur zu deinem Ziel bergab; hab wenn es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht. Und bis wir uns wiedersehen...

3. Hab unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot; sei über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt du bist schon tot. Und bis wir uns wiedersehen...

4. Bis wir uns mal wiedersehen, hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt; er halte dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust dich nicht zu fest. Und bis wir uns wiedersehen...

Kirchen-Chronik

Chronik zum 250. Jubiläum der Kirche am Markt. Seit einiger Zeit ist das Buch unter dem Titel „Schön achteckig, mit einer Thurmspitze in der Mitte“ erhältlich.

Der Geschichtsverein Forum Kollau e. V. hat in Kooperation mit der Kirchengemeinde Niendorf eine Kirchen-Chronik erarbeitet. Autorin ist die Kirchenhistorikerin Dr. Veronika Janssen. Es ist ein umfangreiches, reich illustriertes Werk entstanden, das die Geschichte der Kirche im Spiegel der Zeitläufe schildert. Auch Pastor Daniel Birkner, der hier auf dem Foto die Chronik vor der Kirche am Markt in Händen hält, war im Chronik-Team aktiv.
 

Schön achteckig, mit einer Thurmspitze in der Mitte

Die Niendorfer Kirche wurde 1770 eingeweiht und steht seitdem inmitten so großer Veränderungen. Sorgsam gehegt und gepflegt strahlt sie weit über den Stadtteil hinaus. Für ihren 250. Geburtstag haben viele Menschen, die mit ihr und um sie herum leben, ihre Geschichte aufgeschrieben. Entstanden ist unter dem Titel "Schön achteckig, mit einer Thurmspitze in der Mitte" eine lebendige Zeitreise durch die Jahrhunderte des Niendorfer Lebens, versehen mit vielen Hintergründen und Exkursen, reich bebildert und durch historische Dokumente angereichert.

Schön achteckig, mit einer Thurmspitze in der Mitte
1770 - 2020 | 250 Jahre Kirche am Markt zu Niendorf
Chronik der Gemeinde und des Stadtteils Niendorf
224 Seiten, gebunden mit über 300 mehrfarbigen Abbildungen
Veronika Janssen, Edition Forum Kollau 2020
ISBN 978-3-00-065523-4
EUR 24,50

Hier ist die Chronik erhältlich
Die Kirchen-Chronik kann in unseren Gemeindebüros und an folgenden Verkaufsstellen erworben werden:

LOKSTEDT
Asmussen & Schäfer Hörakustik, Vogt-Wells-Straße 8
Kleines Hofcafé, Grelckstraße 19

NIENDORF
Buchhandlung Thalia, Tibarg Center, Tibarg 41
Büchereck Niendorf Nord, Nordalbingerweg 15
HASPA Finanz-Center Niendorf, Tibarg 46-48
Haus der Dame, Tibarg 1a

SCHNELSEN
Schnelsener Büchereck Land- und Seekarten, Glißmannweg 7

EIDELSTEDT
Heymann Bücher, Eidelstedter Platz 1
 

Unser Newsletter: GlaubeLiebeHoffnung

Mut machende Gedanken, eine Andacht zum jeweiligen Sonntag und verschiedene Inspirationen zum Mitmachen können Sie - so lange unsere Gemeindehäuser geschlossen sind - jeden Samstagmittag in Ihre E-Mail-Postfächer bekommen.

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Der KGR berichtet

Ein besonderes Jahr für die Kirchengemeinde Niendorf

Im Rahmen der alljährlich stattfindenden Gemeindeversammlung hätte Ihnen der Kirchengemeinderat gerne von den Gemeindeaktivitäten im vergangenen Jahr berichtet. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns dazu entschieden, die Gemeindeversammlung in diesem Jahr nicht stattfinden zu lassen und dennoch möchte sich der Kirchengemeinderat an Sie, liebe Gemeinde, wenden.
In Form eines Videos haben die Mitglieder*innen Ihren Bericht aufgezeichnet. Wir wünschen viel Freude beim Anschauen!
 

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